Welcher Typ Kind ist für die Waldorfschule geeignet?

  • Zu den Kritiken, dass die waldorfschule nach Lehrplan und nicht nach individuellen Interessen Arbeitet....


    Das tun doch alle Schulen.

    weil es nicht machbar ist, viele Kinder gleichzeitig individuell zu fördern, aber gleichzeitig alle mit 16 Jahren alle Fähigkeiten! Kompetenzen und Methoden besitzen, die sie Für das Berufsleben brauchen

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Naja, stimmt schon, aber ich habe mit staatl. Schulen doch andere Erfahrungen; da wurden Kinder schon individuell gefördert, zwar noicht perfekt, aber es wurde versucht. Kinder, die in der 1. Kl. schon lesen konnten, durften Kinderbücher lesen, während die anderen Buchstaben lernten. Buchvorstellungen wurden viel gemacht, und das nach individuellem Interesse, also auch zu naturwissenschaftlichen Themen. Alles nicht perfekt, aber mir erschien es wensetlich offener als das, was ich von Waldorfschulen mitkriege.

  • Spannender Thread mit vielen interessanten Aspekten! Ich denke es ist immer die Frage wie man etwas liest und ich freue mich über die Erfahrungsvielfalt und greife mir für mich das auf, wo ich mich selbst dann mehr informieren möchte, an manches denkt man ja von sich aus nicht.

    Ich kenne große und kleine Waldorfklassen und Kinder für die es gut gepasst hat, aber auch welche (eher Individualisten) wo es nicht gutging.

  • VivaLaVida ich verstehe nicht ganz, warum Du so gekränkt bist?! Bleib doch, ich finde es total schön zu hören, dass es auch andere Waldorfschulen gibt!


    Hier ist klassengröße 35+ auch der Standard, eine Schule mit 15 Kindern pro Klasse wäre ein Traum!


    Und hier ist es so, dass es schon ausschließlich eine bestimmte Schicht in der Waldorfschule gibt, keine Ausländer, keine Flüchtlinge, keine Menschen mit Behinderungen... die Plätze, die kein Schulgeld kosten (ich habe vergessen, wie das heißt, aber jede Privatschule muss ja einige Plätze kostenfrei anbieten), die werden an Kinder von Studenten oder Künstlern vergeben.


    Ich glaube (aber das ist wirklich nur mein Gefühl und nichts bewiesenes), dass Privatschulen in Großstädten eher „extremer“ sind, weil sie sich nur dadurch vom „Markt“ abgrenzen können, es gibt ja etliche Privatschulen. #weissnicht

  • meine erfahrungen sind halt andere, gerade was du schreibst, myrte.


    aber hier wird in einer absolutheit zeug behauptet, dass ich fassungslos bin. nichts mit „ich kenne das so“, sondern „so ist es“.


    das ist nicht mein ding, dafür ist meine zeit zu schade.

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  • es ist also schon eher so, dass ein Kind, dass vor Schuleintritt lesen und schreiben kann sich im ersten Jahr langweilt oder? Wir hatten uns die Waldorfschule angeschaut und waren dort, bei der Beurteilung wurde uns allerdings gesagt, dass unsere Tochter als noch nicht schulreif angesehen wird und sie sie gern in die vorschulklasse aufnehmen würden. Nun frage ich mich, wie das einhergehen kann mit dem, was hier geschrieben wird - sie hat enormes Interesse an Buchstaben, lesen und schreiben, und wird das zum Schuleintritt kommendes Jahr ja noch vertiefen. Noch mal ein Jahr zu warten ja noch mehr.


    Um wirklich zu sehen, ob es für das Kind passt wird man es auch wohl einfach ausprobieren müssen, oder?

    kLeiN- uNd GrOß-SchrEibUnG hat mein Handy gefressen...

  • Wie ist das heutzutage eigentlich mit der Haendigkeit? Früher war das ein Thema, da wurde auf Waldorfschulen lange noch von Linkshändern verlangt, alles mit rechts zu machen und zwar lange, nachdem das in staatlichen Schulen schon anders war.


    Wir haben uns gegen die hiesige Waldorfschule entschieden, trotz oder wegen Waldorfkindergarten. Mir war es an der Schule zu strikt und die ewige Elternbeteiligung war auch nicht mehr meins. Zudem war die Schule von uns weit weg.

  • es ist also schon eher so, dass ein Kind, dass vor Schuleintritt lesen und schreiben kann sich im ersten Jahr langweilt oder? Wir hatten uns die Waldorfschule angeschaut und waren dort, bei der Beurteilung wurde uns allerdings gesagt, dass unsere Tochter als noch nicht schulreif angesehen wird und sie sie gern in die vorschulklasse aufnehmen würden. Nun frage ich mich, wie das einhergehen kann mit dem, was hier geschrieben wird - sie hat enormes Interesse an Buchstaben, lesen und schreiben, und wird das zum Schuleintritt kommendes Jahr ja noch vertiefen. Noch mal ein Jahr zu warten ja noch mehr.


    Um wirklich zu sehen, ob es für das Kind passt wird man es auch wohl einfach ausprobieren müssen, oder?

    Ich kann nur von mir berichten: ich konnte mit 5 lesen und schreiben und wollte unbedingt in die Schule (bin Ende September geboren. Heute wäre ich sogar regulär mit 5 eingeschult worden, das war aber damals noch anders).

    Meiner Mutter war die Waldorfschule wichtig. Die haben mich aber abgelehnt weil zu jung und nicht schulreif. Ausschlaggebend für "nicht schulreif" war, dass ich mit meinem Arm über meinen Kopf nicht an mein Ohr kam.

    Meine Mutter hat mich dann testen lassen wo rauskam, dass ich auf dem Stand einer 7jährigen bin und dann so viel rumgenervt, dass ich auf Probe eingeschult wurde. (Ich war Geschwisterkind mit Platzanspruch, sonst hätten wir wohl so keine Chance gehabt).


    Und dann gab es einige Probleme, weil ich mich so gelangweilt habe. Alle anderen waren 1-2 Jahre älter und ich wusste am meisten, was Dinge wie Rechnen, Schreiben, Lesen anging.

    Ich habe schon in der ersten Klasse Aufgaben verweigert, weil sie mir zu langweilig waren.

    Nach 5 Jahren durfte ich dann endlich zum Gymnasium wechseln.


    Ich befürchte, wäre ich ein Jahr später eingeschult worden, hätte es noch viel mehr Probleme gegeben.

    Lg

    Annanita


    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • gar nicht, da müssen wir mal nachfragen, haben Ende Januar einen Termin. An was kognitiven kann es nicht gelegen haben,ist also wahrscheinlich auch eher was körperliches. Sie kann zum Beispiel nicht so gut auf einem.bein vorwärts hüpfen#gruebel und ist sehr klein und zierlich.wird aber eben bis kommenden Herbst definitiv lesen können.jedenfalls wenn das Interesse nocht abflaut, weiß man ja nie.

    kLeiN- uNd GrOß-SchrEibUnG hat mein Handy gefressen...

  • Hat sie schon Wackelzähne? Da hat sich bei uns ein Kind "beworben", bzw. die Eltern, die an einer anderen Schule eine Ablehnung bekamen aufgrund noch nicht vorhandener Wackelzähne. Das finde ich bis heute bizarr, zumal ich eine Freundin habe die ihre Milchzähne immer behielt und so nie eine Waldorfschule hätte besuchen können?!?

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Lernen nach Plan und relativ große Klassen ist aber auch an den meisten Gymnasien und Grundschulen an der Tagesordnung. Wirklich differenziert wird da nicht.

    Trotzdem hatte ein Waldorflehrer mir dringend abgeraten meinen Hochbegabten naturwissenschaftlich interessierten Sohn auf eine Waldorfschule zu schicken. Es wäre die Hölle für jeden Naturwissenschaftler sagte er.

  • Etwas OT: mein Waldorf-geprägter Mann war auch der meinung, dass Kinder im späten KiGa Alter UNBEDIGT Märchen toll finden müssen und war furchtbar entsetzt und schon fast beleidigt, als Sohn 1 darauf überhaupt keinen Bock hatte. Sohn 2 ist da zum Glück anders drauf - puh - Weltbild gerettet. Das ist eines der wenigen Themen wo ich sehr vermute, dass diese Fixierung durch seine Waldorf Karriere in dem Alter und seine sehr antroposophisch geprägten Eltern kommt.


    Ich habe mich (auch um meine Schwiegis wenigstens ein bisschen zu verstehen) vor Jahren mal mit Herrn Steiner und seinen Ideen beschäftigt und war echt entsetzt. Meiner Meinung nach gibt es wenige Menschen, die so an ihrem eigenen ansprüchen gescheitert sind und trotzdem seit mittlerweile fast 100 Jahren von einer gewissen Klientel ziemlich unkritisch und wortwörtlich wiedergekaut werden. Die Prägung der Kinder, die sein System durchlaufen haben, dürfte teilweise ziemlich unbewusst und tief sein.

  • Und hier ist es so, dass es schon ausschließlich eine bestimmte Schicht in der Waldorfschule gibt, keine Ausländer, keine Flüchtlinge, keine Menschen mit Behinderungen... die Plätze, die kein Schulgeld kosten (ich habe vergessen, wie das heißt, aber jede Privatschule muss ja einige Plätze kostenfrei anbieten), die werden an Kinder von Studenten oder Künstlern vergeben.

    Das war bei uns anders. Wir hatten Kinder sowohl mit Migrationshintergrund als auch Kinder mit Körperbehinderungen (für Kinder mit geistigen Behinderungen gibt es in der Stadt eine eigene Schule). Meine Schule war auf die Internationalität der Schülerschaft stolz (als meine kleine Schwester eingeschult wurde, wurde explizit hervorgehoben, aus wasweißichwievielen Nationen die neuen SuS stammten) und die Lehrerschaft stand politisch tendenziell eher links; ich erinnere mich an viele taz-Artikel im Politikunterricht, schulfrei für Demos und eine Antifa-Veranstaltung sowie einen Vortrag zu ethischem Wirtschaften / Geldkreisläufen von jemandem aus dem DM-Gründer/GLS-Dunstkreis (oder war es sogar Götz Werner selbst?). Ganz viel Finanzierung lief nach sozialen Maßstäben (zB dass Klassenfahrten nur stattfinden, wenn alle mitfahren können, also niemand aus finanziellen Gründen daheim bleibt, oder dass die Angestellten das gleiche Grundgehalt bekommen plus Sozial- und aufgabenbezogene Zulagen)


    Es haben auch längst nicht alle Abi gemacht und/oder waren Akademikerkinder.


    Natürlich waren es trotzdem eher bürgerliche Kinder und nicht die mit der sozialen Verwahrlosung, die auf der Schule aufschlugen, das dürfte aber in erster Linie daran liegen, wer sich überhaupt für eine Privatschule interessiert.

    Wie ist das heutzutage eigentlich mit der Haendigkeit? Früher war das ein Thema, da wurde auf Waldorfschulen lange noch von Linkshändern verlangt, alles mit rechts zu machen und zwar lange, nachdem das in staatlichen Schulen schon anders war.

    Mich hat man noch versucht umzuschulen, hat es dann aber gelassen. Hängt sicherlich auch von der Lehrkraft ab.


    Zur Klassengröße:

    Das hängt wirklich von der Schule ab; ich erinnere mich an eine Klasse aus Eisenach mit ca. 10 SuS... In meiner Klasse in Hereford/UK waren unter 20 Kinder. Bei uns hatten die Klassen zwischen 27 und 43 SuS, es wurde aber wie üblich für einen großen Teil der Fächer gedrittelt oder halbiert. Als "ganze Klasse" hatten wir nur den Epochenunterricht und ausgewählte Stunden (z.B. Musik tw. als ganze Klasse, teilweise geteilt).


    Den Epochenunterricht macht ja die Klassenlehrerkraft, und die hat ihre Kinder idR im Griff und sieht sie sehr häufig (mindestens einmal täglich für 2h, oft mehr), so dass die typischen Probleme großer Unterrichtsgruppen wie Lärmpegel und individuelle Sichtbarkeit des Kindes meistens nicht so reinhauen sollten.


    Ich bin, was die Gruppengröße angeht, sowieso skeptisch, wie riesig der Unterschied wirklich für die meisten Kinder ist, ob da jetzt 25 oder 35 Kinder in der Klasse sind. Ich meine, es gibt wenig belastbare Untersuchungen dazu, die nicht unbedingt den riesigen Nutzen für die SuS zeigen. Ich habe es auch persönlich so erlebt: Wer möchte, kann sich auch in der Vorlesung mit 500 Leuten einbringen... und wer nicht möchte, schafft es auch in der Kleingruppe mit 6 Leuten, sich rauszuziehen.


    Ich würde mich im Übrigen nicht wundern, wenn die Klassengröße auch (!) einen finanziellen Hintergrund hat. Kleinere Klassen sind einfach auch teurer.

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

  • Susan Sto Helit ich bin echt froh, dass es auch anders laufen kann!


    „Eher links“ ist die Schule hier auch nicht, eher konservativ.


    Wer hier seit Jahrzehnten großartige Integrationsarbeit leistet, ist die Montessorischule. Da stimme ich auch nicht mit allem überein und es ist auch nicht für jedes Kind das richtige, aber die haben hier wesentlich mehr gemacht, während Waldorf die Exklusivität wichtig war...

  • Vor 100 Jahren war eine Klassengröße bunter 40 Kindern absoluter Luxus, vor dem historischen Kontext betrachtet war vieles, was Steiner gemacht hat, grandios.

    Der Zahnwechsel markiert das Ende des ersten Jahrsiebtes, in dem alle Zellen des Körpers sich erneuern. Das ist Voraussetzung für das Lernen im schulischen Sinne. Soweit die Lehre. Daher wird er auch (noch) von einigen als Kriterium herangezogen.

    Ich wurde noch bin Linkshändig auf rechts getrimmt, die "Kindersprechstunde" sagt mittlerweile (Ausgabe 2006), dass man das nicht tun sollte.

    Liebe Grüße,


    Ich, mit Tochter (2/06) und tochter (12/07).

  • Ja, Caroso, die theoretische Erklärung mit dem Jahrsiebt kenne ich auch. Aber ich kenne viele Kinder die sich nicht an den „Bauplan“ halten. Meine hatten zB viel früher den ersten Wackelzahn, andere später... das mit den Jahrsiebten ist ja auch umstritten, manche Anthroposophen gehen von einer Beschleunigung der Entwicklung und „Jahrsechsten“ aus.

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Und dann sind wir wieder dabei, dass es die einen gibt, die Steiner wörtlich nehmen und die anderen, die Veränderungen aufgreifen. :)

    Liebe Grüße,


    Ich, mit Tochter (2/06) und tochter (12/07).

  • Da für uns das Thema Wechsel auf die Waldorfschule Thema ist, würde mich insbesondere die Klassen Größe und Organisation interessieren... Ist das immer so, dass die Klassen für die Fächer geteilt werden und nur für zwei Stunden am Morgen zusammen sind? Oder wäre das etwas, das man konkret ertragen müsste... Bzw was wären denn für euch wichtige Fragen bzw potentielle Unterschiede, die es herauszufinden gilt?

    Wir warten aktuell noch auf eine Einladung zum Kennenlerngespräch, da wäre Input vorab hilfreich. Danke vorab!

    LG Andy mit den beiden Jungs (Mai2004 und Februar2007)