Angeberei, Vollquatschen, Überschätzen (7 Jahre)

  • Hallo zusammen,


    ich brauche dringend mal einen Rat von euch.

    Es geht um meinen Sohn, der gerade 7 geworden ist. Ich habe momentan ein Problem mit seinem Verhalten, welches er immer wieder zeigt. So lange er klein war, war es ja ganz niedlich, aber mittlerweile finde ich es einfach nicht mehr angemessen.


    Es geht darum, dass er 1. sehr gerne sein Wissen präsentiert

    2. ohne überhaupt gefragt zu werden komplett fremde Menschen anspricht und völlig zutextet und

    3. meint er könnte alles besser als andere Kinder.


    Den ersten Punkt muss ich nicht erklären, denke ich. Das finde ich persönlich auch noch annehmbar. Nur in Kombination mit den anderen Punkten #confused

    Zu Punkt 2: Mein Sohn angelt ganz gerne. Wir waren letztens am Strand und dann kam ein Angler vorbei. Ert ist hingelaufen und hat gefragt auf was er angelt, wie er angeln will etc. Und dann ohne Punkt und Komma erzählt, seit wann er schon angelt, dass er der beste Angler von allen ist usw..... Der Mann war schon sichtlich genervt und hat sich schon abgewandt. Er redete einfach weiter und merkte es einfach nicht.

    Ähnlich war es, als er dann Geburtstag hatte. Danach hat er sehr vielen (auch Fremden) haarklein erzählt, was er zum Geburtstag bekommen hat. Ob nun den Leuten im Fahrstuhl, der Kassiererin usw.


    Zu Punkt 3: Er meint er kann alles besser. Seine beste Freundin spielt Fußball im Verein. Er hat so gar kein Interesse am Fußball. Behauptet aber trotzdem, er spiele besser als sie.

    Heute zeigte uns unser Nachbarkind (3 Jahre) ganz stolz ihr neues Fahrrad. Sie trug Ellenbogenschoner.

    Sein Kommentar: Also ICH brauchte sowas nicht als ich Fahrrad fahren gelernt habe.


    Wenn er mir Fragen stellt und ich die Antwort nicht weiß, dann gibt er sich sebst eine, die er für richtig empfindet und will mir dann eine Bestätigung für seine Version abpressen.


    Ja, das waren so Situationen, die mir so eingefallen sind.

    Mein Sohn ist ein ganz toller, er ist aufgeweckt, an allem Interessiert, er ist liebevoll, sensibel, macht sich viele Gedanken um sich und sein Umfeld.

    Auf der anderen Seite dann aber diese angeberische Seite, die ihn teilweise wirklich unsympathisch macht und die nicht vorhandene Hemmschwelle, was das Erzählen angeht.


    Wie gehe ich denn nun am besten damit um? Ich finde es schon wichtig, dass meine Kinder selbstbewusst erzogen werden und wissen, was sie können. Trotzdem sollen sie eine gesunde Selbsteinschätzung haben und anderen auch mal Erfolg gönnen können.

    Wir sind nun wirklich keine leistungsorientierte Familie und lieben unsere Kinder so wie sie sind. Und das sagen und zeigen wir ihnen auch oft.


    Ist das Verhalten normal? Verstärken wir es vielleicht unbewusst? Ich finde es ja auch echt toll, dass er zum Beispiel ohne Angst auf Menschen zugehen kann und möchte ihm das auch nicht madig machen. Trotzdem sollte er da mMn gewisse Grenzen einhalten und sich selbst mehr zurück halten. Aber wie sagt man das am besten?


    Falls ihr noch Fragen dazu habt, immer raus damit!

    Ich hoffe sehr auf ein paar Meinungen dazu #ja#ja


    Liebe Grüße


    Ginny

  • Ich bin über das Wort "Kinder" gestolpert.

    Wie alt sind die Geschwister? Wie ist das Verhältnis der Geschwister zueinander? Braucht eins der Kinder viel Aufmerksamkeit oder hat ne Art oder Besonderheit, die viel Aufmerksamkeit oder Lob auf sich zieht?


    Könnte der Versuch sein, da was zu kompensieren. Evtl. auch was, das für Euch als Eltern gar nicht ersichtlich ist auf den ersten Blick.

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Ich finde das eine relativ normale Phase, die ich von einigen Kindern kenne in dem Alter - gerne mal clevere, spezialinteressierte, sprachlich viffe Kinder...


    Ich würde immer mal wieder Rückmeldung geben - in der Situation mit dem Angler zum Beispiel: "Kuck, ich glaube, der Herr hat jetzt keine Lust mehr, noch weiter zu zu hören und möchte mit xy weitermachen."

    Aber ansonsten auck keine allzu grossen Sorgen machen, ich treffe immer mal wieder so "Labber-Backen" und mag die eigentlich ganz gerne. Und für gewöhnlich wächst sich das aus.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Preschoolmum Danke für deine Antwort.


    Wir haben noch eine 4-jährige Tochter, sie ist aber normal "pflegeintensiv" würde ich sagen.

    Meinst du er könnte sich so Lob und Anerkennung holen wollen, die er von uns nicht ausreichend bekommt?


    Ich habe im Januar meine Ausbildung abgeschlossen und war in den letzten 2 Jahren natürlich gestresster und abwesender als sonst. Manchmal liefen die Kinder tatsächlich mehr nebenher...

    Aber gerade in den letzten Wochen haben wir viel Zeit miteinander verbracht, haben jeden Tag etwas unternommen etc.

    Hm.... aber es ist definitiv Luft nach oben da, mich intensiver mit ihm und seinen Interessen zu beschäftigen, das ist schon so #gruebel

  • Gegenüber dem jüngeren Geschwisterchen auftrumpfen und sich abgrenzen wollen halt ich für gut möglich. Grad weil die Kleinen oft unbewusst mehr Aufmerksamkeit kriegen- oder es die älteren Geschwister auch nur so empfinden.


    Ichwürd versuchen, sein Können und seine Interessen für ihn spürbar ernster zu nehmen und ihm persönlich Exkkusivzeit zu gönnen .

    Und dann nach paar Wochen mal schauen ob sich was verändert hat.

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Hallo Talpa, auch an dich vielen Dank!


    Ich gebe ihm schon immer Rückmeldung, ich habe ihn auch mal beiseite genommen und versucht ihm das zu erklären.

    Ich fühle mich nur auch immer komisch dabei, ihm über den Mund zu fahren und zu sagen "Hör mal, ich glaube der Mann hat jetzt keine Lust...."

    Ich mag da auch nicht zu übergriffig sein und denke mir manchmal, die Menschen können ja selber sagen, wenn es ihnen reicht. Aber so ehrlich ist ja leider keiner #gruebel

  • Bobby neigt auch ein wenig zum Volllabern, es wird aber schon etwas besser.

    Ich habe mit ihm ein paar mal sehr ausführlich darüber gesprochen, wie man erkennen kann, ob das Gegenüber sich gern unterhält oder lieber seine Ruhe hätte. Inzwische reicht ein unauffälliges Zeichen, wenn ich merke, dass er gerade null darauf achtet. Dann checkt er kurz ab und merkt idR selber, dass langsam auch gut sein sollte.


    Das Angeben würde ich ebenso unter vier Augen besprechen und dann in den Situationen nur kurz darauf anspielen, falls ihm die Gäule durchgehen.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Das einzige Kind in dem Alter, was ich kenne ist auch so, dass es immer wieder betonen muss, was es alles wie toll schon kann. Und gerade das Abgrenzen nach unten (z.B. zu meinem Kind) ist da gaaaanz wichtig. Ich bin immer davon ausgegangen, dass das halt eine alterstypische Phase ist und irgendwann etwas Mäßigung einsetzt.


    Zum Zulabern würde ich immer wieder Rückmeldung geben. Das ist bei Erwachsenen einen Charakterzug, den ich extrem anstrengend und übergriffig finde, weil ich es selbst oft nicht gut schaffe deutlich Stop zu sagen. Aber mit sieben hat er wirklich noch Zeit das zu lernen. Wenn Kinder so zu kleinen Vollprofis in ihren Hobbies und Interessen werden, finde ich es eigentlich immer ganz witzig.

  • Ich finde schon, dass manche Menschen sich selbst wehren können (ich bin so eine) - aber viele sind halt entweder zu höflich oder auch zu wenig routiniert mit Kindern.


    Von daher finde ich eine Rückmeldung, wie "der Herr möchte glaube ich..." nicht als übers Maul fahren. Ich sage meinen Kindern ja auch: "Ich glaube, Lieschen möchte jetzt gerade nicht geknuddelt werden", "Oma ist müde, hör bitte auf, auf ihr rumzuhüpfen" etc.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • gerade 7 geworden

    So lange er klein war

    er ist immer noch ziemlich klein, du #ja Wenn man noch ein jüngeres Kind hat, bekommt man oft den Eindruck, dass das erstgeborene fast schon erwachsen ist, was natürlich nicht stimmt.

    Ist das Verhalten normal?

    Ja, ich denke schon. Jedenfalls recht häufig. Aber man kann durchaus schon so Sachen besprechen, wie dass man auch gucken muss, wie das Gegenüber reagiert und sowas. Und solange dein Kind das noch nicht so gut sehen kann, kannst du es ja drauf hinweisen.

    Die Angeberei finde ich total normal. Du kannst das ja in der Situation relativieren, wenn du denkst, das andere Kind leidet darunter.
    Ich glaube gar nicht, dass das aus einem Gefühl des Mangels entsteht, sondern einfach daher kommt, dass das Kind - völlig altersgemäss - sich selbst als den Nabel der Welt empfindet.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Ich mag solche Kinder und habe auch den Eindruck, dass die ein "Ok, jetzt muss ich mir aber die Nase schnäuzen und dazu lieber allein sein" sehr gut abkönnen. Ich finde auch diesen besonderen Größenwahn in dem Alter ("ich bin das bescheidenste Kind hier in der ganzen Siedlung!") sehr nett und freue mich an solchen Begegnungen.


    Das verwächst sich. Und wenn nicht:


    "Angeberei, Vollquatschen, Überschätzen (73 Jahre)"


    kann durchaus auch etwas aus einem werden.


    Nein, im Ernst. Nur, wenn du den Eindruck hast, da windet sich jemand und ist zu höflich, um Abstand zu bitten, würde ich Übersetzungsarbeit leisten. Und das, was Ohnezahn schreibt.


    Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.


    Kurt Tucholsky (Schloß Gripsholm)

  • Ich danke euch allen wirklich von Herzen für die Antworten!!!

    Das hilft mir auf jeden Fall sehr weiter #super


    ja es stimmt, er ist noch klein mit 7. Ich habe einfach Angst, da den Zeitpunkt zu verpassen. Ich finde nämlich Erwachsene Menschen mit solchen Charakterzügen selbst extrem anstrengend und möchte nicht, dass er mal so wird.

    Aber ich werde ihn dann in diesen Situationen mal beiseite nehmen und es handhaben wie bisher :)

  • Ich finde es schon ganz richtig, dass nicht einfach laufen zu lassen.

    Ich war auch so ein sehr altkluges Kind und mir hat das sehr viele Kinderfreundschaften zunichte gemacht, weil die anderen Kinder das oftmals total blöd und unsympathisch fanden. Und je blöder die mich fanden, desto mehr glaubte ich "abliefern" zu müssen - mit mehr Wissen (und später dann auch (ausgedachten) Abenteuern).

    Erwachsene finden sowas meist in gewisser Weise noch sehr niedlich - vor allem, wenn wirklich was dahinter steckt. Aber Kinder nervt es oft extrem.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Ohnezahn


    Altklug, ja das Wort hat mir gefehlt!

    Ja richtig, so ist es. Bei uns ist es aktuell eher so, dass es die Erwachsenen nervt, also die Eltern seiner Spielgefährten. Eben weil es deren Kinder auch kränkt dieses Verhalten.

    Ich hoffe nur einfach, dass er meine ERklärungen dazu versteht. Ich möchte ihn nicht bremsen in seinen Interessen und dem Drang, so viel Wissen zu wollen. Nur die Art es raushängen zu lassen....

  • Ich glaube, du musst ihn da gar nicht bremsen, aber vielleicht etwas für die Gefühle anderer sensibilisieren. Wenn es gerade passt, ihn darauf aufmerksam machen, z.B. dass es einen traurig macht, wenn jemand anders etwas schafft und man selber nicht und dass es dann nicht so schön ist, wenn jemand darauf rumreitet.


    Oder wenn bei ihm mal etwas nicht klappt das verbalisieren wie man sich da fühlt.



    Sonst kann ich das Was Talpa geschrieben hat unterschreiben:


    Von daher finde ich eine Rückmeldung, wie "der Herr möchte glaube ich..." nicht als übers Maul fahren. Ich sage meinen Kindern ja auch: "Ich glaube, Lieschen möchte jetzt gerade nicht geknuddelt werden", "Oma ist müde, hör bitte auf, auf ihr rumzuhüpfen" etc.

  • Hier sind schon gute Dinge geschrieben worden.


    Die Tochter hatte auch mal so eine Phase, in der sie sich immer selbst überhöhen musste, um ihr Selbstwertgefühl aufzupeppen. Sowas wie "ich konnte das in dem Alter schon", oder "die kann noch gar nicht so gut... wie ich", wurden von mir nicht unkommentiert stehen gelassen, jedenfalls nicht, wenn es sich in dieser Phase gehäuft hat. Man kann sich auch toll finden, ohne der/die Tollste sein zu müssen. Ich hab dann bewusst immer wieder darauf hingewiesen, dass ja, sie konnte xy schon in dem Alter, aber vielleicht kann das andere Kind ja etwas anderes gut, (was meinem Kind vielleicht eher schwer fällt, oder mühsamer gelernt wurde.) Wir hatten sehr viele Gespräche in dieser Richtung. Und ich erwähne im Alltag auch immer wieder, wenn ich etwas nicht kann und wobei ich selbst üben musste, damit es fürs Kind ganz normal vorgelebt wird, dass man nicht perfekt sein muss und jeder in etwas anderem gut ist. Die Phase ging vorbei und ist bisher auch nicht zurückgekommen. Und ich merke, dass die Tochter sich so einige aus diesen ganzen Gesprächen herausgezogen hat und die Welt nicht mehr so in schwarz und weiß einteilt.


    Was das Vollabern von Erwachsenen angeht: Die meisten Erwachsenen lassen schon deutlich erkennen, wann es ihnen zuviel wird, aber für manche Kinder sind diese Zeichen noch nicht gut genug lesbar. Ich würde wohl versuchen, deinen Sohn spätestens im Nachhinein darauf hinzuweisen... "Guck mal, der hat jetzt schon zweimal versucht, tschüss zu sagen... schau mal, der hat immer wieder die Hand an die Klinke gelegt... du hast ihn da unterbrochen... er hat xxx gesagt und wollte damit darauf hinweisen, dass er jetzt weiter gehen möchte..."


    Du schriebst, dass dein Sohn von dir seine Erklärungen bestätigt haben möchte. Das stelle ich mir sehr anstrengend vor. Mir fällt da nur ein, zusammen nachzulesen, was die richtige Erklärung ist (wenn möglich), und das Weltbild wieder etwas gerade zu rücken. Lustigerweise hatte ich mit der Tochter gestern beim Abendspaziergang die Unterhaltung darüber, dass so RICHTIG schlaue Menschen es ruhig zugeben, wenn sie etwas nicht wissen, und diejenigen, die NIE zugeben, wenn sie etwas nicht wissen, sind gar nicht wirklich schlau. Das war so die Zusammenfassung meiner Tochter. Und die hätte sie im Jahr davor noch nicht so formuliert... im Gegenteil.

  • Hallo,


    Ich kenne diese Phase als ganz normalen Teil der Entwicklung. Zu merken, daß ich etwas kann und weiß, daß es Menschen gibt, die das interessiert und die davon beeindruckt sind usw...


    Bei manchen hinkt dann das "sich bremsen können" etwas hinterher. Und das Staunen der Großen tut so gut, daß man dann gerne noch mal eine Schippe Phantasie auf die Wahrheit drauflegt. Oft ist es gar kein bewusstes Schwindeln, sondern eher ein durchgaloppieren der Phantasie und ein "So wäre es schön (gewesen)!".


    Am besten ist wie andere schon schrieben, ein gelassener Umgang damit. Kein Drama draus machen, davon ausgehen, daß Kinder auch in dem Bereich dazulernen werden.

    Ggf. freundlich erklären, wo sich andere bedrängt fühlen, aber ohne das Kind zu beschämen. Da gibt es keine Pauschalregeln, das kann von Situation zu Situation anders aussehen. Manch einer freut sich vielleicht über das schnatternde Kind, ein anderer ist genervt... Manchmal bin ICH genervt, weil ich weiter will...


    Auf Arbeit bitte ich solche Kinder einfach um eine Pause, weil ich (ganz real) XY tun muss.

    Merke ich, daß sich beim Erzählen zu viel Phantasie reinmischt, frage ich auch mal mit einem kleinen freundlichen Schmunzeln nach, ob das Erzählte inzwischen vielleicht eine Geschichte ist und sie nur vergessen haben, mir das dazuzusagen. Diese Brücke ergreifen sie dann ganz gerne. Sie können das Gesicht wahren und doch wieder zwischen Wahrheit und Phantasie trennen.


    Sie direkt darauf hinzuweisen, sie würden schwindeln, bewirkt oft im Gegenteil, daß sie sich immer mehr in "ihre Wahrheit" verstricken, Dinge dazu erfinden, die es untermauern...


    Gesteigert und nicht so sehr als "Phase" kenne ich es bei Kindern, die irgend ein Problem in Bezug auf Impulskontrolle haben (z.B. bei manchen ADHSlern) oder generell Schwierigkeiten damit haben, die Bedürfnisse und Gefühle anderer Menschen angemessen wahrzunehmen. Da kann "Sprechdurchfall" bzw. Monologisieren über persönlich gerade interessante Themen, die den anderen deutlich nicht interessieren Teil der Symptome sein. Aber ich denke, würde so etwas vorliegen, hättest du das inzwischen sicher gemerkt.

  • Manche Kinder haben einfach solche Phasen, glaube ich, und die können leider auch länger andauern. Ich hatte mal ein ganz liebes, etwas schüchternes und ängstliches Mädchen M. zum Reiten bei mir, sie war damals so 8 oder 9. Einmal brachte sie ihre Freundin E. mit (beide Mädels sind Töchter guter Bekannter von mir), die das krasse Gegenteil vom ersten Mädel war- angeberisch, sabbelig, etwas eingebildet.

    Sie wollte natürlich auch reiten und erklärte mir, was für eine geniale Reiterin sie doch sei. Ich kannte mein Pony aber recht gut, ließ sie reiten und sie wollte auch galoppieren. Ging total in die Hose, sie hat ihn gar nicht erst in den Galopp bekommen. Als M. dann ritt (die keine sehr gute Reiterin war), habe ich meinem Pony ein Handzeichen gegeben und er galoppierte sofort sehr brav an. Danach war E. ziemlich kleinlaut #freu. Es war von mir nicht böse gemeint, aber M. tat mir damals einfach so leid, weil sie, glaube ich, auch sonst unter ihrer dominanten Freundin etwas gelitten hat. Heute ist E. eine supernette, ganz zuvorkommende junge Frau, keine Spur mehr eingebildet und angeberisch. M. hingegen ist heute eher so, wie E. damals war... Zeiten ändern sich, Menschen auch.

    Natürlich ist es ja auch gut, wenn dein Sohn aufgeweckt und selbstbewusst durchs Leben geht. Vielleicht kannst Du ihn aber ab und zu auch ein kleines bißchen ausbremsen, wenn er so angibt?

    LG, LilliMarleen


    *`74 + Mädchen*7/03 + Junge*5/06 + Junge *5/08

  • Was meinte meine Freundin, als wir mit den Kindern auf dem Mittelaltermarkt waren? "Ein Klugscheißer muss immer dabei sein" und ich antwortete mit Blick auf meine Tochter ".. Und ich finde, das hat sie echt gut gemacht".


    Ist das nicht normal? Es gibt Kinder, die sind überzeugt davon, dass sie ihr Ding absolut gut und richtig machen. Und es gibt die, die eher still sind.


    Pubertät. Im Kopf sind sie die großen Helden.


    Wenn es zuviel wird, sag ich ihr das und ansonsten lass ich sie ihr Selbstbewusstsein natürlich bilden. Das ist so wichtig. Ich wurde immer unterdrückt. Bin absolut nicht selbstbewusst und mach mich ständig klein.

    Was bleibt, sind die Erinnerungen...
    schlaf gut, schlaf ruhig
    Ich werde dich nie vergessen und immer vermissen

    1976-2003-2013


    »Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.«
    ― Platon

  • Hallo, mir fällt dazu die Geschwisterposition ein. Als Erstgeborener hat er wahrscheinlich sein Leben lang lob bekommen für "boah, was du schon kannst". E er KANN wahrscheinlich ja auch tatsächlich sehr viel sehr gut.

    Und die kleine Schwester hat die Rolle "oh, wie niedlich. Oh, wie süß", vielleicht noch kombiniert mit "das Mädchen".

    Bei unserem Zweitgeborenen war die "boah, was du schon alles kannst" vergeben, er hat dann viele Jahre die Rolle des "man, was macht der viel Unsinn" übernommen. Eigentlich bis heute (15).


    Was ich sagen will, vielleicht könnt ihr ihm mehr Alternativen aufzeigen, wo er positive Aufmerksamkeit bekommt. Wie lieb er ist, wie kreativ er ist, wie sensibel er ist (self-fulfilling-prophecy"😅), wie gut er backen kann...