Chefs dürfen meckern? Hm..

  • Mein Chef rastet immer mal aus, wenn er Streß hat und ergießt dann eine Schimpferei über den Mitarbeiter, den er gerade vor sich hat. Bei mir hat er das auch schon mal gemacht, sich dann aber einige Tage später entschuldigt und damit war es für mich gegessen.


    Jetzt ist es ihm wieder passiert, und ich habe im nachfolgenden Gespräch eine Stunde später gesagt, daß ich so nicht behandelt werden möchte.

    Seine Kurzantwort dazu: Er sei hier der Chef und daher steht es ihm wohl zu, einmal im Monat jemanden anzupampen.


    Ich war so baff, daß ich nichts mehr dazu gesagt habe. Ich bin jetzt innerlich auf dem Absprung dort, wüßte aber gern, was Ihr davon haltet.

    Würdet Ihr das so hinnehmen? Dieses Menschenbild finde ich so abstoßend, daß ich auf gar keinen Fall dort länger bleiben möchte, als nötig.

    Ich hätte ja am liebsten direkt gekündigt, das ist aber keine Option, bis ich nicht eine Alternative habe.


    Die anderen Kollegen zuckten zwar alle zusammen, fanden aber noch schlimmer als den Chef-Ausraster, daß ich dem Chef gesagt habe, daß ich das so nicht möchte.


    Das stört mich auch, dieser mangelnde Zusammenhalt. Wenn alle ihm signalisieren würden, daß das keine Art ist, würde er sich das vielleicht langsam abgewöhnen. Stattdessen wird ihm Schokolade serviert zur Besänftigung..

  • Ich finde so eine Einstellung unmöglich!

    Und ich finde auch gut, dass Du was gesagt hast.

    Wer der Chef ist, kann sich wie ein A... benehmen, oder was? Das geht gar nicht!

  • Ich finde ja, umgekehrt wird ein Schuh draus... Je verantwortungsvoller eine Position ist, desto mehr muss ein Mensch Vorbild sein für das Betriebsklima, das wünschenswert ist. Deshalb darf er genauso menschlich sein und mal daneben greifen, aber er sollte damit souverän umgehen und sich als allererster entschuldigen...

    ~~ Luxa


    Sometimes something will change and that change

    Will change you


    Strong people stand up for themselves.
    Stronger people stand up for others.


  • Bei mir passiert das auch gelegentlich und ich finde es unsouverän, unprofessionell und total inakzeptabel. Aber es scheint Kulturen zu geben, in denen das noch akzeptiert wird.


    Ich finde es sehr gut, dass du das angesprochen hast. Kündigen würde ich aber nicht sofort. Gibt es noch mehr Strukturen im Unternehmen? Also ist er die einzige Instanz? Ich würde erst mal versuchen, die Situation zu ändern.

  • Ist er schon älter? Mein Schwiegervater führt sein Unternehmen auch so.


    Meine Meinung: er hat nicht mal so mit Dir zu sprechen, wenn du wirklich was verbockt hast. Das geht gar nicht uns so führt man heute nicht mehr. Wenn Du die Wahl hast dann geh und sag ihm ruhig auch nochmal warum du gehst.

  • Paragraf 1: Der Chef hat immer Recht!

    Na klar darf er als Chef sich aufführen wie er will. Nur schade, dass er so viele Mitarbeiter hat, die das ertragen.

    Würden mehr Mitarbeiter sagen, dass sie so nicht behandelt werden möchten, oder gleich gehen - am besten mit der Begründung, dass sie keine Leibeigenen sind, die man im finstersten Mittelalter behandelte, wie man wollte - dann käme er vielleicht mal auf den Trichter, dass er sich ändern sollte.


    Du kannst ihn nicht ändern - ich wünsche dir viel Glück bei der Jobsuche, damit du diesen unangenehmen Menschen bald los hast.

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • Ich hatte auch mal einen Chef, der mich jeden Mittwoch vor versammelter Mannschaft zur Schnecke gemacht hat. Mittwochs deswegen, weil dann immer Teambesprechung war. Irgendwas hat der immer gefunden, was ich nicht gut gemacht habe. Nachdem er mich dann während meiner Präsentation vor Mitarbeitern (die er zuvor als gut abgesegnet hatte) lächerlich gemacht hat, habe ich tatsächlich gekündigt und mir geschworen das nie wieder mit mir machen zu lassen.

    Sein Verhalten hatte ich auch eine Ebene drüber angesprochen, aber die sagten mir nur, dass der Kollege für sein kolerisches Verhalten bekannt sei, er aber sehr gute Arbeit mache. Tja...manchmal sitzen andere einfach am längeren Hebel #flop

    "Natürlich kann ich das. Ich hab's nur noch nie versucht."
    Oma Wetterwachs - Terry Pratchett


    Und jetzt schreibt sie auch noch...

  • Hi lara,

    arbeitest Du in einem kleinen Betrieb und der Chef ist der Inhaber, oder in einem großen Unternehmen und der Chef ist nur der Abteilungschef?

    Im ersten Fall würde ich auch stark an einem Wechsel nachdenken...im 2. Fall würde ich dieses Verhalten melden..


    Also prinzipiell geht das gar nicht!! Natürlich kann es jedem passieren, dass er mal verbal daneben greift. Aber dann ist im Nachgang Einsicht angesagt und eine Entschuldigung beim Mitarbeiter.

    Und natürlich war es gut, dass Du das angesprochen hast. Vielleicht wirkt es auch mehr, als Du denkst, nur dass der Chef eben im ersten Moment in die Defensive ging...

    (Dass Deine Kollegen dein Verhalten aber nicht nachvollziehen konnten ist mehr als merkwürdig...)

    Bei uns wäre so einer nicht lange Chef.....da hat die Bewertung durch die Mitarbeiter alle 2 Jahre signifikanten Einfluss auf die Karriere...Oder man ginge an den Betriebsrat.


    lg, karlchen

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  • karlchen : Ersteres. Es gibt noch andere Gründe für eine Umorientierung, aber ich hätte halt gedacht, daß ich dafür noch ein bis zwei Jahre Zeit hätte.


    Danke für Eure Rückmeldungen!

  • wie schon gesagt wurde, wenn es über diesem Choleriker noch eine Etage gibt, dann informiert diese. Egal wie er darüber denkt, das ist kein Führungsstil, das ist ein Mangel an Selbstkontrolle.

    Was du auch tun kannst, ist Außenstehenden gegenüber klar machen, wie der Typ mit seinen MitarbeiterInnen umgeht, so dass alle, die über eine Bewerbung dort nachdenken, es dann doch lieber sein lassen. Selbst wenn von den jetzigen Beschäftigten niemand sich beschweren will, auf Dauer bekommt er dann keine neuen.

  • Ich finde ja, umgekehrt wird ein Schuh draus... Je verantwortungsvoller eine Position ist, desto mehr muss ein Mensch Vorbild sein für das Betriebsklima, das wünschenswert ist. Deshalb darf er genauso menschlich sein und mal daneben greifen, aber er sollte damit souverän umgehen und sich als allererster entschuldigen...

    dem stimme ich zu, absolut und nur so. Ich bin ja selber in einer Führungsposition und so mit seinen Mitarbeitern umgehen geht gar nicht!

    Du hast also richtig gehandelt, ihm das zurück zu melden :)

  • Sowas geht gar nicht, aber es gehören auch zwei dazu, nämlich auch die, die sich das gefallen lassen und mit der Entschuldung "is halt so" leben.

    Habt Ihr einen Betriebsrat? Mit dem könnte man sowas klären.

  • Ich krieg die Motten. wenn ich sowas lese und unterschreibe mal bei luxa-rosenburg . Der Fisch stinkt vom Kopf an.


    Er ist der Chef und damit steht ihm automatisch zu, jeden Monat seine Mitarbeitenden zu entwürdigen? WTF? Ersetze "Chef " wahlweise durch "reicher", "körperlich überlegener", "vermeintlich intelligenter" also durch irgendein Machtgefälle, aufgrund dessen so was in Ordnung sein soll.

    Schade, dass deine Kolleginnen und Kollegen da nicht mit dir an einem Strang ziehen. Hut ab für deinen Mut und dass du so für dich selbst eingestanden bist!

    Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.
    Dante Alighieri

    Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.

  • ekelhaftes verhalten und unentschuldbar. so einen hatte meine abteilung auch mal. der hat überdies noch dem alkohol zugesprochen und die mitarbeiterinnen sexistisch beleidigt. das hatte sich dann aber wacker erledigt mit dem, der bekam beim oberboss in der zentrale nicht mal mehr termine.


    ich könnte (und wollte) mir derartiges nicht erlauben. bei uns stehen die unitmanager unter beobachtung durch den oberboss und es spricht sich trotz weitgehender autarkie der units sowas rum. die folgen wären für den unitmanager ganz eindeutig, der wäre schneller weg, als er piep sagen könnte.



    lg patrick

  • Danke für eure Einschätzungen. Wenn niemand das komisch findet und alle es hinnehmen, fängt man an, zu zweifeln, ob die eigene Wahrnehmung komisch ist und man übertreibt. Leider ist es ein ganz kleines Büro, dh ich bereite jetzt meinen Wechsel vor. Drückt mir die Daumen, dass ich zügig eine gute alternative Einkommensquelle erschließen kann!

  • ich hatte so einen Chef, und habe Anfang des Jahres in die Unsicherheit gekündigt.

    Ich hab es nicht nötig, mich so behandeln zu lassen.


    Meine Kollegin hat im November gekündigt, eine zweite im Dezember.

    Sie hat immer gesagt, "wer wirklich Chef ist, muss sich nicht wie einer aufspielen" und "der Fisch stinkt vom Kopf".

    Letzteres rächt sich jetzt endlich, denn die Firma wird vermutlich sehr bald Konkurs anmelden. Ich danke dem Karma.

    Sie haben es selbst kaputt gemacht...

  • Hast du diese Situation nochmal angesprochen? War er noch gereizt oder schon abgekühlt als du ihn angesprochen hast.

    Mein Partner hat bei einem colerischen Cheff so Kariere gemacht. Er ist sobald der losgebrüllt hat wortlos aus dem Raum gegangen und hat dann betont ruhig nur über das Arbeitsproblem gesprochen.

    War allen klar, dass der Chef das Problem hat eben nicht besser kann. Wurde dann so gehandhabt.

    Wieviel Spaß macht dir der Job sonst?

  • Er bat mich zu sich, hatte sich weitgehend abgeregt. Er ist nach solchen Ausrutschern immer sehr nett (in den Tagen danach). Generell gibt er sich sehr kumpelhaft (wir sind fast gleichaltrig). Mir gefällt das aber trotzdem nicht. Es erinnert vom Mechanismus an gewalttätige Männer, die hinterher ihre Liebe beteuern und Blumen schenken. Mich hat diese Grundeinstellung erschreckt und überrascht. Für so jemand möchte ich nicht länger als nötig arbeiten, egal wie nett er sonst sein mag.

  • Er bat mich zu sich, hatte sich weitgehend abgeregt. Er ist nach solchen Ausrutschern immer sehr nett (in den Tagen danach). Generell gibt er sich sehr kumpelhaft (wir sind fast gleichaltrig). Mir gefällt das aber trotzdem nicht. Es erinnert vom Mechanismus an gewalttätige Männer, die hinterher ihre Liebe beteuern und Blumen schenken. Mich hat diese Grundeinstellung erschreckt und überrascht. Für so jemand möchte ich nicht länger als nötig arbeiten, egal wie nett er sonst sein mag.

    Das kann ich gut nachvollziehen. So eine "Erziehungsmaßnahme" könnte ja sogar eine Idee sein, sofern der Betroffene selbst ein Bewusstsein für das Problem hat, noch sehr jung / neu im Job ist, etc. - aber nach Deiner Beschreibung trifft das alles nicht zu, da wär mir meine Energie und meine Integrität auch zu schade für.

    ~~ Luxa


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  • Und wenn du dann was Neues hast, bei der Kündigung unbedingt den wahren Grund für die Kündigung benennen.

    Ich bin komplett bei Luxa-Rosenburg. Als Chefin bin ich in allererster Linie Vorbild. Im beruflichen Kontext habe ich nicht auszurasten. Und wenn ich das nicht kann, habe ich da als Chefin nichts zu suchen.

    mamaraupe (*1973) mit paparaupe (*1969), großer raupe (*06/06), und kleiner raupe(*02/10)