Krankenversicherung Beamte - gibt es Gründe, nicht privat versichert zu sein?

  • Ich frage für eine Freundin, die demnächst ins Lehramtsreferendariat startet und sich jetzt irgendwie weiter versichern muß. Gibt es irgendeinen rationalen Grund, als baldige Beamtin freiwillig gesetzlich versichert zu sein? Auf den ersten und zweiten Blick scheint es Unsinn, vor Allem finanziell, aber ihr Bauchgefühl wäre lieber nicht privat versichert. Gibt es dafür auch objektiv irgendeinen Grund oder macht das einfach gar keinen Sinn?

    Danke für Eure Hilfe!

  • Kommt darauf an was sie braucht. Mit Psychotherapie sind die privat Versicherten z.B. meist schlechter gestellt. Inzwischen werden die Arztrechnungen teilweise sehr auseinandergenommen und man muss um Sachen kämpfen die eigentlich bezahlt werden (und die Ärzte um Begründungen bitten/nerven). Je nachdem muss man auch in Vorkasse gehen, wenn sich die Beihilfe Zeit lässt bleibt man erst mal mit den Kosten hängen.

    Andere Sachen sind natürlich gut, selbstverständliches übernehmen von Privatärzten, von Osteopathie, Privatkliniken und so.

  • Zudem kann man ab einem bestimmten Alter (40?) nicht mehr in die gesetzliche KV wechseln, was vor allem doof ist, weil man in der Rente die relativ hohen Kosten für die PKV stemmen muss.

    Ich finde außerdem, dass schon auch Untersuchungen gemacht werden, die nicht notwendig sind, weil man als Privatversichterer halt mehr Geld bringt... aber das ist nur meine persönliche Erfahrung.

  • Wenn Kinder da/ geplant sind, auch an die sogenannten Heilmittel wie Ergotherapie und Logopädie denken.

    Auch Hebammen zur Vor- und Nachsorge werden nicht von jeder PKV bezahlt.

    (Mutter-Kind) Kuren und Rehas können auch schwierig werden.

  • Die private Versicherung wäre jetzt ja eh nur für das Referendariat, oder? Ob sie danach noch verbeamtet wird, ist ja nicht sicher. Hat sie irgendwelche Vorerkrankungen, die den Tarif erhöhen können?

    Es erfordert halt mehr Selbstorganisation als einfach die Versichertenkarte abzugeben,: Belege sammeln, an die rechtzeitige Abrechnung denken, ggf. Streitigkeiten, was bezahlt wird...

    Bei Ärzten ist es leider tatsächlich so, dass ich, seit ich privat versichert bin, sehr viel leichter Termine bekomme.

  • Ich bin nicht sicher, ob nicht gerade als Frau mit so Themen wie Mutterschutz, Elternzeit, Kind krank etc. Privatversicherung nicht u.U. auch Fallstricke enthalten kann an die man erst mal nicht denkt.


    Bei mir sind die Kinder privat versichert, ich selbst gesetzlich. Ich bekomme deswegen keinen einzigen Tag bei krankem Kind bezahlt von der Krankenkasse , mein AG zahlt inzwischen auch nicht mehr. Bei krankem Kind darf ich also unbezahlt frei nehmen.


    Ich habe mich mal für Privatversicherung interessiert und da hätte man nach der Geburt nach einer gewissen Zeit, die deutlich unter 3 Jahren lag, wieder über der Beitragsbemessungsgrenze verdienen müssen um dabeibleiben zu können.


    Haushaltshilfe gibt es nach meinem Kenntnisstand bei PKV auch gar nicht.


    Unser Grosser bekommt ja schon lange Ergotherapie - die bekommt er ziemlich problemlos bezahlt, auch mehr Stunden als mit der GKV, aber wir zahlen immer 25% selbst.


    Kinder müssen wohl immer zu dem Ehepartner, der besser verdient - u.U. ist mit der Entscheidung für PKV da also auch gleich mit die Entscheidung gefallen wie die Kinder versichert sind.

  • Wichtig für eine Elternzeit zu beachten ist auch, dass für die Zeit des Mutterschutzes und der Elternzeit die Beiträge für die PKV weiter bezahlt werden müssen und der Arbeitgeberbeitrag wegfällt, also auch übernommen werden muss. Da kommt ggf. ganz schön was zusammen. Es sei denn, im Versicherungstarif ist etwas anderes vereinbart.


    Bei freiwilliger GKV kann man, wenn man verheiratet ist und für die Elternzeit in die Familienversicherung des Partners/Partnerin wechseln kann, von der Beitragszahlung befreit werden, so wie es bei Pflichtversicherten der Fall ist.

  • Also hier geht es aber doch um eine angehende Beamtin.

    Da bekommt man im Mutterschutz ganz einfach seine Bezüge weiterbezahlt.

    Die Beihilfe zahlt 50-80% , nur der Rest wird privat versichert. Das ist schon anders als komplett privat und eben deshalb auch günstig.

    Die Beihilfe zu nutzen, ist da schon sinnvoll.

    Ich bin fast mein ganzes Leben über Beihilfe+privat versichert und bin damit eigentlich sehr zufrieden.

    Doof ist eigentlich nur, dass immer irgendwelche Beträge offen sind, die man ausgelegt hat. Da kommt gerade mit Kindern schnell mal etwas zusammen. Allerdings geht die Erstattung inzwischen über die App auch einigermaßen zügig.



    Außerdem geht es hier ja erst mal nur um das Referendariat - da sehe ich eigentlich keine großen "Gefahren" durch die Kombi Beihilfe+PKV.

    Gruß,


    stella mit Eichhörnchen-Dinosaurier (9/06) und kleiner Überraschung (1/14)


  • Ich bin nicht sicher, ob nicht gerade als Frau mit so Themen wie Mutterschutz, Elternzeit, Kind krank etc. Privatversicherung nicht u.U. auch Fallstricke enthalten kann an die man erst mal nicht denkt.


    (...)


    Kinder müssen wohl immer zu dem Ehepartner, der besser verdient - u.U. ist mit der Entscheidung für PKV da also auch gleich mit die Entscheidung gefallen wie die Kinder versichert sind.

    Ich sehe das ähnlich, mit Familie oder evtl geplanter Familie lohnt es sich, einen sehr guten Überblick haben, was die Unterschiede GKV Pflichtversicherung, GKV freiwillige Versicherung und PKV angeht, bevor man sich (ggf langfristig) bindet.


    Gerade bei Psychotherapie sollte man sich den PKV Vertrag gut ansehen, da können empfindliche Einschränkungen bestehen.


    Auch gibt es ab einem bestimmten Lebensalter (hab gerade nicht im Kopf ab wann, irgendwas jenseits der 50) kein Zurück mehr in die GKV, auch bei Verdienst unterhalb der Versicherungspflichtgrenze. Ich weiß nicht, ob die Beamtenpensionskasse die Arbeitgeberbeiträge in der Pensionszeit mit übernimmt, sonst müssen die in der Pensionszeit auch gestemmt werden.


    Die Kinder müssen nicht unbedingt zu dem, der besser verdient, wenn beide Eltern GKV versichert sind (egal ob Pflicht oder freiwillig, wir hatten schon alle denkbaren Kombinationen in der Familie). Wenn aber der besser verdienende Elternteil PKV versichert ist und der schlechter verdienende GKV, ist keine GKV Familienversicherung für die Kinder möglich. Die Kinder müssen dann PKV versichert werden. Die Auswirkungen hat Jette gut beschrieben, das kann ggf ins Geld gehen.

  • Das ist bei uns der Fall. Mein Mann ist in der PKV und liegt über der Einkommensgrenze, d.h. die Kinder können nicht über mich familienversichert werden.

    Sie müssen nicht zwingend privat versichert werden, unsere sind freiwillig gesetzlich versichert. Das sind über 180 € pro Monat pro Kind. Wäre ich Hausfrau, käme dieser Betrag für mich nochmal dazu.

  • Und in der Elternzeit muss auch der Beitrag bezahlt werden...im Gegensatz zur GKV.

    Liebe Grüße
    Silke mit dem Großen 06/2006 und der Kleinen 06/2009

  • Ich hatte mich vor meiner Verbeamtung auch erkundigt, ob ich nicht einfach weiter gesetzlich versichert bleiben kann. Ich hätte den Arbeitgeberanteil selbst zahlen müssen, das wäre mich viel teurer gekommen als die (anteilige) Privatversicherung + Beihilfe.

  • Ich habe schon mehrmals mitbekommen, wie dann bei Älteren das Hickhack wegen Kostenübernahme (Psychotherapie, aber auch anderes) losging.

    Man muss ggf. in Vorkasse gehen und immer die Rechnungen einreichen.

    Man kommt nicht mehr raus oder nur sehr schwierig.

    Privatversicherung steigen die Beiträge mit dem Alter, Gesetzliche hängen sie vom Einkommen ab.

    Ich war heilfroh, als ich endlich in die GKV konnte (bin aber auch nicht Beamtin, da ist es mit der Beihilfe ja nochmal etwas anders).

    There is a crack in everything. That's how the light gets in.
    - Leonard Cohen

  • Genau, das Besondere hier ist wohl die Beihilfe, durch die der extreme Kostenunterschied zustande kommt. Auf Nachfrage wurde meiner Freundin außerdem gesagt, die Kosten würden im Alter nicht deutlich ansteigen (und muß man als gesetzlich versicherter Rentner nicht auch Krankenkassenbeiträge zahlen???). Elternzeit und Mutterschutz sowie Famlienversicherung der Kinder sind eher kein Thema. Psychotherapie ist ein Punkt, der evlt interessant ist, danke.

  • Manche PKV Kassen haben wohl so ein System, dass man erst ab einer gewissen Summe Rechnungen gesammelt einreichen kann.


    Was Beihilfe etc. betrifft hab ich schon oft Ältere oder kranke Menschen erlebt, die überfordert sind mit dem Sortieren der verschiedenen Stellen, einreichen der Abrechnungen wo, Überblick über Zahlungen und Rückzahlungen etc. und immer ist die Frage: worauf hab ich Anspruch mit meinem Vertrag?

  • Doch, auch in der Gkv zahlt man als Rentner Beiträge, aber eben immer nach Einkommen, nicht nach Alter!

    There is a crack in everything. That's how the light gets in.
    - Leonard Cohen

  • Ich habe beruflich viel mit Krankenkassen zu tun, und wenn man privat versichert ist, sieht es fast immer leider seeehr schlecht aus, wenn man plötzlich erkrankt und ein Hilfsmittel braucht. Da sehe ich fast jede Woche sehr traurige Situationen :( . Wobei die gesetzliche Kassen leider auch sehr unterschiedlich sind. Manche genehmigen fast alles superschnell, bei manche muss man immer in Wiederspruch und dran bleiben.

    Aber das ist natürlich nur "wichtig", wenn das Schicksal zuschlägt...

    Bin nicht deutschsprachig, Fehler sind also möglich #pfeif und sprachliche Tipps sind immer willkommen!

  • Sie soll erstmal Angebote der Versicherungen einholen. Bei chronischen Vorerkrankungen wird oft ein Risikozuschlag erhoben. Früher war es auch so dass Frauen deutlich höhere Beiträge hatten, wegen Schwangerschaftsrisiko. Sie soll sich auch erkundigen, ob sie wieder problemlos in die Gesetzliche zurückkommt, falls sie z.B. das Referendariat abbricht um sich beruflich umzuorientieren, etwa Aufbaustudium.

    Was die PKV im Alter betrifft: Ich hatte mal Beiträge gelesen, dass Rentner, die sich das nicht mehr leisten konnten, in einen PKV Basistarif genötigt wurden, der teilweise unter dem Leistungsumfang der Gesetzlichen war.

  • Ich bin Beamtin und ich bin freiwillig gesetzlich versichert. Schlicht und ergreifend deshalb, weil ich eine Zweiklassenmedizin verabscheuungswürdig finde und es niemals mit meinem Gewissen hätte vereinbaren können. (Die Verbeamtung ist mir auch schwergefallen aber das ist ein anderes Thema.) Für dieses "ich will einfach nicht!" zahle ich deutlich höhere Beiträge als meine privatversicherten Kolleg*innen. Ich stufe das als Ablasszahlungen für die Verbeamtung ein und kann damit leben. #zwinker

    Es hat aber auch tatsächlich den Vorteil, dass ich mich nicht um den ganzen Papierkram kümmern muss und meine Tochter kostenlos mit mir versichert ist. Im Ref ist das Gehalt ja auch nicht üppig, da dann in Vorkasse gehen zu müssen, stelle ich mir schwierig vor, wenn man nicht seine Rechnungen immer sofort super akurat einreicht.

    Wenn ich das richtig im Kopf habe, musste sich eine Freundin von mir, deren Eltern beide Beamte in PKV waren, ihr komplettes Studium über selbst versichern, während ich noch in der Familienversicherung meines Vaters drin war. Wenn das immer so ist, käme da ja auch nochmal eine Summe zusammen, die man in die allgemeine Betrachtung mit einrechnen müsste.

    Ich kann ihr Bauchgefühl auf jeden Fall verstehen und finde es unterstützenswert. Auch wenn die Dame meiner KK mich am Telefon gefragt hat, ob ich mir sicher sei, dass ich das wolle. Und insgeheim hoffe ich ja auch, dass die PKV ohnehin in den nächsten Jahren irgendwann abschafft wird.


    Und in der Elternzeit muss auch der Beitrag bezahlt werden...im Gegensatz zur GKV.

    Das stimmt so leider nicht. Wenn man nicht verheiratet ist, muss man auch in der Elternzeit (und auch ohne Elterngeld) als freiwillig gesetzlich Versicherte einen Beitrag bezahlen.

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