"Ich will nicht in die Kita"

  • Heyho,

    hat von euch noch jemand eine schlaue Idee? Meine Große (5) hat zur Zeit oft morgens einen "Ich will nicht in die Kita"-Aussetzer. Das kommt immer ganz spontan, so als fixe Idee. Es gibt dafür definitiv keinen Anlass in der Kita. Lustigerweise hatte ich das in dem Alter auch, und könnte bis heute keinen Grund dafür nennen - es ging nur ums Durchsetzen, daheim spielen, "frei" haben. Ich wurde immer gezwungen und bin dann auch einige Male vom Kindergarten ausgebüxt, deshalb wäre es mir sehr recht, wenn wir einen anderen Weg finden würden #rolleyes

    Was wir schon machen, ist: sie muss gehen und "probieren ob es ihr gefällt". Sobald das Frühstück vorbei ist, darf sie mich anrufen und sich abholen lassen. Das wissen auch die Erzieherinnen und tragen das mit, das weiß sie, wir besprechen das wirklich oft. Naheliegenderweise kam es noch kein einziges Mal vor, dass sie tatsächlich angerufen hat. Es geht also wirklich nur um den Einstieg. Der ist momentan zugegebenermaßen doof, Abgeben an der Tür und so, aber nicht zu ändern, und sie ist nun auch keine 2 mehr, sie weiß genau dass sie mit den anderen die Treppe hoch geht und ab da bei ihren Freunden und den Lieblingserzieherinnen ist.

    Vor zwei Wochen habe ich sie auch mal daheim gelassen bzw. dann mit zur Arbeit genommen, und natürlich hat sie sich nach einer halben Stunde zu Tode gelangweilt und wollte unbedingt in die Kita #hammer - das war aber nicht nachhaltig, am nächsten Tag hatten wir die selbe Diskussion, und allzu oft machen das weder meine Nerven noch mein Chef mit.

    Wir besprechen immer den Tag, wer sie abholt, was an dem Tag in der Kita passiert, usw. - mir gehen die Ideen aus, wie ich ihr den Einstieg in den Kita-Tag noch erleichtern könnte. Any ideas?

    ~~ Luxa


    Sometimes something will change and that change

    Will change you


    Strong people stand up for themselves.
    Stronger people stand up for others.


  • Wir kennen das aus dem Alter auch. Hier half das Mitnehmen von etwas von zuhause in die KiTa. Oft blieb es dann vergessen in der Fahrradtasche oder Anhänger oder in der Garderobe im Rucksack, selten wurde es bis in den Gruppenraum mitgenommen. Da ist nur die Frage, was coronatauglich wäre.

  • Eine schlaue Idee hab ich nicht, ich hab aber auch mindestens zwei Kinder, die sich phasenweise immer mal mit Übergängen schwer tun.

    Was manchmal hilft: irgendwas spannendes "mitgeben", jetzt in Corona Zeiten geht kein Gegenstand, aber oft irgendein "Ereignis" des gestrigen Tages, eine Haarfrisur, ein Kleidungsstück, eine Anekdote..... die sie gerne teilen/erzählen wollen und schwupps sind sie drin. Funktioniert aber auch nicht immer.

    An Tagen, an denen sie zu Hause bleiben könnten (weil ich zu Hause war und nicht arbeiten musste) half auch manchmal, ein Tag zu Hause bleiben, aber dann im Alltag, ohne besondere Aktionen. Die Option fehlt mir gerade sehr für das Schulkind, die will nämlich auch nicht in die Schule und es gibt fast jeden Morgen, den sie gehen muss, Tränen. Nachher kommt sie aber immer fröhlich und gut gelaunt plappernd zurück.

    Euer "Ausprobieren" finde ich eigentlich schon eine ziemlich gute Idee.

  • Meine Kinder wollten auch nie. Bei meinem Sohn kamen die Erzieherinnen dann auf die Idee, ihm eine morgendliche Aufgabe zu übertragen, er war Verantwortlicher für das Aquarium und musste halt erstmal hin, um die Fische zu füttern. Danach war es dann meist auch gut. Allerdings gebe ich zu, er hat drei Jahre lang gejammert, dass er in den Kiga will, dann drei Jahre, dass er nicht hin will.


    Zusätzlich hatten wir Jokertage eingeführt, so alle paar Wochen (später Monate) einfach ohne Grund und krank zu spielen und ohne Nachfrage meinerseits zu Hause bleiben können. Das hat sich eigentlich bis zur 10. Klasse durchgezogen, in Absprache mit den Klassenlehrerinnen natürlich.

  • Meinen Kindern hat in solchen Situationen oft ein Plan für die ersten Minuten geholfen. Also so was wie von einem bestimmten Fenster noch mal winken oder ein bestimmtes Buch anschauen. Entweder mitgebracht oder von der Kita. Dann war klar, wie es nach dem Ankommen weiter geht und es wurde somit leichter.

    Nona mit großer (03) und und kleiner (05) Tochter und kleinem Sohn (2008 )

  • Fremdbestimmung versus Selbstbestimmung?


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die sich sehr Fremdbestimmt fühlen nur wenig Spielraum haben, selbstwirksamkeit zu spüren.


    Und gerade die Pandemie schränkt insbesondere Kinder in ihrer Selbstbestimmtheit ein.

    Ich würde als Mutter den Fokus darauf legen, das Kind jedes nur mögliche Stück Selbstbestimmung zu lassen, aber auch zu zeigen und zu feiern. Sowas wie.... "Boah, da hast Du dir ja bestimmt den leckersten Joghurt ausgesucht"


    Als Erzieherin würde ich viel stärker, als ohnehin nach Situationsansatz arbeiten.


    Bei Dingen, die nicht veränderbar sind, wie kitabesuch bspw. klar kommunizieren, "ja ich verstehe deinen Wunsch, geht aber nicht"


    Ich möchte Dir aus Erzieherinnensicht sagen.... Ihr seid nicht allein. Ich habe aktuell noch nie so stark mit kitaunlust zu tun gehabt, wie in der Zeit nach dem ersten Lockdown.

    Die Kinder, die in der Notbetreuung waren, haben Kita ganz anders erlebt (meistens ohne ihre Freunde). Und die, die nicht in der notbetreuung waren, sind teilweise gänzlich entwöhnt und brauchen eine neue Eingewöhnung, die weder Erzieherinnen noch Eltern leisten können. Dann kommen noch die Einschränkungen in der Freizeit wie kinderturnen, Zoo und Sportverein hinzu.

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"

  • Ich bin meinem Kleinen in den letzten Wochen einige Male entgegengekommen und er durfte daheimbleiben - aber weil ich ja arbeiten musste, war es eher langweilig und frustrierend für ihn. Mein Mann und ich haben jetzt beschlossen, dass wir da klarer in unserer Haltung sind - und morgens dann nicht mehr so "herumwackeln", wenn das Kind keine Lust auf Kiga hat.

    Leslie Winkle da sagst du was Wahres. Ja, selbstbesimmt etwas tun ist da echt wichtig. Hier darf das Kind halt gleich "bestimmen", ob wir Option A oder B nach dem Kiga machen. Überhaupt hat er gerade voll das Planungsbedürfnis, mein Kind. Er teilt mir gerade gerne mit, was er dann heute alles zu tun gedenkt, wie ein Tagesplan :D


    Hier hilft es sehr, bei der Autofahrt zum Kiga etwas Schönes anhören zu dürfen.

    Das ist zum einen eine Comedyserie am Radio (die hilft dann auch pünktlich loszufahren, sonst verpassen wir die ja) oder eine Lieblings-CD.

  • mein tipp wäre auch gewesen, etwas von zu hause mitzugeben. bei meinen kindern in dem alter war das ein "heimwehbüchlein": ein kleines fotobuch mit bildern von den familienmitgliedern und von bildern mit schönen erinnerungen: urlaub, feste etc.


    das blieb dann in der kita, von daher wäre das auch coronakonform. meine kinder schauten es sich in tat und wahrheit kaum je an, aber es war für sie offenbar wichtig zu wissen, dass sie es bei bedarf aus ihrer schublade hätten holen können.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Hier war diese Phase ernsthaft vorbei, als es klar war, dass auch ich "richtig" arbeite. bei meinem mann kamen sie damit nie an. ab dann gab es die option an meinen "freien" tagen zuhause bleiben oder früher abgeholt werden zu dürfen. das ist natürlich schwieriger, wenn man "nur" von zuhause aus arbeitet oder gar nicht.


    sonst würd ich auch klar sagen, diese woche könntest du am dienstag zuhause bleiben, an den anderen tagen nicht, wenn es auch für dich so okay ist. sobald du dir unsicher bist, spürt sie das, denke ich. sie hat ja ziemlich feine antennen.


    die anderen ideen mit selbstbestimmen usw. find ich auch super.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl

  • Gibt es ein anderes Kind was helfen könnte? Mein Sohn hatte 3 Jahre lang immer ein Mädchen, dass ihn quasi in den Raum gezogen hat. Er hat zwar nicht wirklich verweigert, stand aber wohl oft morgens in der Tür als wenn er zum ersten Mal da wäre und brauchte dann einen "Mini-Schubs" zum Reingehen. Ich durfte mir nachmittags dann eher "Warum bist Du schon da?" anhören beim Abholen.

  • Ich habe bei meinen Kindern immer ganz klar gesagt, dass ich arbeiten muss und sie deswegen in die KiTa müssen. Zu schwierigen Zeiten habe ich ihnen gesagt, wann ich mit Arbeiten fertig bin und wann somit der früheste Abholzeitpunkt ist. Da haben sie dann selbst entschieden, ob sie dann direkt geholt werden wollen oder bis zur üblichen Zeit bleiben wollten. Sie haben das immer wieder genutzt für frühes Nachhausekommen und es ging dann morgens leichter.

  • Bei uns hatte der Zufall geholfen: meine Tochter hat gesehen, wie ein anderes Kind seine Mutter „rausschmeißt“, also mit einem kräftigen Schubs auf den Po aus der Gruppentür raus geschoben hat. Das fand sie toll und witzig und ich war immer ratz-fatz verabschiedet. Vielleicht auch eine hilfreiche Anregung, wenn auch vermutlich während Corona je nach Organisation der KITA schwer umzusetzen.

  • Danke für eure Gedanken und Ideen! Das hilft mir mal wieder weiter, und es tut gut, dass es auch anderen so geht. Ich fühl mich bei uns in der Kleinstadtblase immer so krass Außenseiterig, die anderen Kinder funktionieren halt, oder werden funktioniert.

    Mitgebsel sind zur Zeit eigentlich nicht erlaubt, und einige der anderen Tipps fallen wegen Corona auch aus. Aber ich hab mir jetzt überlegt, ihr einen kleinen "Zauberbeutel" zu nähen, der in die Jackentasche passt. Den fülle ich dann jeden Tag, und sie darf ihn dann an der Garderobe auspacken (ich dachte an kleine Süßis, Zettel mit Herz, Tattoos, so Kram). Mal schauen ob ihr das hilft. Natürlich will die Kleine dann auch einen haben, also leg ich wohl mal einen Vorrat an #yoga

    Und ja: Selbstwirksamkeit ist ihr großes Thema. Schon immer. Leider. Das Problem für mich ist, dass es einfach nie reicht, sie ist ein Fass ohne Boden. Ich kann da momentan nicht noch weiter auf sie eingehen, die Balance zwischen den Bedürfnissen der beiden Kinder untereinander, und noch dazu meinen, ist eh immer am Kippen.

    Aber vielleicht hilft ihr ja der Zauberbeutel, zumindest über diese Hürde. Wir finden dann garantiert bald die nächste :P

    ~~ Luxa


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  • Bei uns hat eine Zeitlang ganz gut geholfen ein Herzchen auf den Arm zu malen, das wurde dann per Küsschen mit ganz viel Mamaliebe aufgeladen. Im Moment geht es am besten, wenn der/die Erzieher/in mit einem Angebot lockt bzw. um Hilfe bei der Vorbereitung für irgendwas bittet.

    Wenn morgens zuhause vehement "ich will heute nicht in die Kita!" kommt, rede ich meistens über die Pläne für den Tag, was dran ist, welche Aktionen in der Kita anstehen, was wir danach machen, wer ihn abholt, was in der Woche noch so ansteht usw., dann schaltet er meistens irgendwann von alleine um auf "ok, dann los!". Manche Tage sind aber einfach schwierig.

    tt1c48ce.aspx
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  • Mit 5 scheint das echt normal zu sein.

    Hier half (phasenweise mal das eine, mal das andere): rausschubsen lassen, etwas mitgeben, küsse und dgl. in die Hausschuhe vorliegen lassen, andere Kinder als ankommenshilfe nutzen, eine Erzieherin als ankommhilfe vereinbaren, die es manchmal einfach zum kuscheln annimmt und manchmal gerade jetzt braucht, um die Kanne mit heißem Tee in den frühstücksraum zu bringen.

    Vernunft nutzen, um zu Hause über das "ist die Aufgabe des Kindes, ist so" zu reden, in der Situation dann auf das kleinsein des Kindes eingehen und trösten und zustimmen, dass das doof ist. Genug Zeit einplanen, um das Kind vor der Kita zu halten, bis es nicht mehr klammerte.

    Manches stur an den Regeln vorbei - Kleinteil in der Tasche, von aussen ans Fenster hauchte und malen ..., so es dem Kind wirklich half und den kitaablauf nicht wirklich störte.

  • Möwe, ja das mit dem Klein sein fällt mir echt verdammt schwer, das merke ich ganz oft. Sie ist seit der Geburt der Kleinen, und noch mehr seit Corona, ganz oft extrem regressiv, rennt mit Schnuller rum, redet in Babysprache, ... das macht mich völlig fertig. Dieses Kind war als Baby und Kleinkind so höllenanstrengend, und jeder Millimeter Abnabelung kam und kommt bis heute von mir, und dann noch die Kleine, die in vielem schon viel weiter und reifer ist und entsprechend oft zurückstecken muss...

    Uuuuuh, Fass auf, Fass schnell wieder zu #freu

    ~~ Luxa


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  • Hier ähnliches Thema, schon immer, nach langen Phasen des Zuhausebleibens verstärkt. Hier helfen neben coolen Spielsachen derzeit sehr gut Kostüme. Mein Sohn geht also wechselweise als Spiderman, Batman oder Black panther in die Kita. Nur falls das auch eine Option ist :-)

  • hier wäre sie in dem Alter ja schon im Schulsystem integriert mit einer Pflicht. D.h. da ist es tatsächlich ein "muss" vom System her und nicht von den Eltern her. und ich war da tatsächlich relativ streng. Keins meiner Kinder hatte eine ausgeprägte Nichtwollen-phase, die gingen meist gerne. Aber wie Du ja weisst, hat und hatte meine Grosse immense Probleme mit Übergängen, immer schon und bis heute (nein, es hat sich nicht ausgewachsen, es manifestiert sich nur anders). In dem Alter half etwas mitnehmen von daheim, es half auch, ihr aufzeigen, was sie am Tag alles tolles machen würde, es half, sie so schnell wie möglich zur Türe raus zu bugsieren, damit sich die Übergangsphase nicht hinzog. Dabei aber gleichzeitig ihr genau sagen, wieviel zeit sie noch hat, und das auch strikte einhalten.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • An Tagen, an denen ich zur Arbeit musste, musste ich auch streng sein. Mitnehmen war in dem Alter nur im Notfall mal ne Option die ich aber nie angefangen habe (50 km einfacher Weg mit dem Auto etc).

    Drum war das bei uns früh klar: gern mal nen freien Tag wenn Mama auch frei hat, aber ansonsten geht es ohne Kindergarten nicht. Und ja, meine beiden Kinder haben jahrelang beim Abgeben geweint #crying. Beim Abholen aber auch, aus Zorn weil sie wieder heim mussten. So habe ich das Weinen beim Abgeben irgendwann als dazugehörig akzeptiert. Beide brauchten das wohl, um dem Trennungsschmerz Ausdruck zu verleihen.

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    Wunder 1: 07


    Wunder2: 11